Spinnkreis Retschow

Projekte Färben- Wolle färben – das Ende des Einerlei in Weiß

Nachdem ich die Hürden als Spinn-Anfängerin genommen hatte, kam irgendwann die Frage auf: Woher die Wolle nehmen für dieses schöne Hobby ? In Rostock wohnend habe ich wenig Zugang zu Menschen mit Schafen. Aber ich wusste, dass eine Freundin meiner Eltern ein paar Schafe hielt. Die „stille Post“ wurde also auf den Weg gebracht, über meine Eltern ließ ich kurz vor der Schafschurzeit anfragen, ob ich nicht ein bisschen Wolle bekommen könnte und die prompte Antwort kam zurück: Sehr gern, aber entweder würde ich die Wolle von allen 15 Schafen nehmen oder es ginge nicht, weil sie dann der Schafscherer mitnähme.
Mit noch wenig Erfahrung, wie viel Wolle denn von 15 Schafen so herabfällt und wie bald ich die versponnen haben könnte, sagte ich begeistert zu. Und dann fuhr ich mit dem Transporter vor und lud ihn voll. So muss sich die Müllerstochter bei Rumpelstielzchen gefühlt haben: Eine Stube voller Stroh und keine Ahnung, wie sie damit fertig werden soll.
Ich spinne seither an dieser ausschließlich weißen Wolle. Sie ist wunderbar weich und lässt sich auf dem Boden meines Gartenhauses auch ohne nennenswerten Mottenbefall und Qualitätsverlust lagern. Etliche Vliese habe ich weiter verschenkt, aber der Vorrat reicht noch eine Weile. Es entstanden weiße Socken, weiße Pullover, weiße Westen – davon kann man ja nie genug haben.

Und irgendwann konnte ich es nicht mehr sehen!

Die Menschen haben schon zu allen Zeiten Wolle gefärbt, dachte ich mir und machte mich auf die Suche nach Rezepten.

In meiner Jugend hatte ich schon einmal Wolle mit den grünen Schalen der Walnuss gefärbt. Ich erinnerte mich an wunderbar lebendige Brauntöne. Ich wiederholte das Experiment, färbte mit und ohne Erhitzen, aus frischer und getrockneter Walnusschale – färbte vom hellen Milchkaffee- bis zum tiefen Schwarzbraun vieles, was die Schalen hergeben.

Und irgendwann war auch das Braunfärben nicht mehr spannend.

Das Buch von Dorothea Fischer: „Naturfarben auf Wolle und Seide“ versprach endlich Abwechslung. Ich konnte kaum glauben, was ich da sah: All diese unglaublich leuchtenden Farben – ohne Chemie? Ich war mehr als skeptisch, aber den Versuch war's wert. Mein allererster weißer Pullover – mein Lieblingspullover! - hatte inzwischen eine leicht gräuliche Patina angesetzt und es war klar: „Für gut“ kann ich den nicht mehr anziehen. Wenn nichts passiert, muss ich ihn zum Gartenpullover degradieren. Dazu taugt er aber auch noch, wenn ich ihn beim Färben fleckig verdorben habe. Der Plan war gefasst und ein sehr spannendes Abenteuer begann. Mein erstes Projekt: 
Dagmar 

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